Territoriale Verteidigung der indigenen Gemeinschaften der Nasa

Territoriale Verteidigung der indigenen Gemeinschaften der Nasa
Freitag, 13. Oktober 2006, von der Asociación de Cabildos Indígenas Nasa Çxãçxha
Die indigenen Autoritäten der fünfzehn (15) Cabildos1 von Páez und die Asociación de Cabildos Indígenas Nasa Çxãçxha, in Generalversammlung im Resguardo von Tóez2, und in Gebrauch ihrer Rechte gemäss dem Gesetz 89 von 1890; der Verfassung Kolumbiens; dem internationalen ILO-Übereinkommen 169; dem Gesetz 21 von 1991, regiert durch das Gesetz des Ursprungs und in Übereistimmung mit unseren Bräuchen und Gewohnheiten.
ERWÄGEN
Die Nasa, als Volk mit kultureller, historischer und tausendjähriger Tradition, besitzen die volle politische und administrative Autonomie in der Regulierung und Kontrolle der Aktivitäten der Ordnung und Planung der Natur und der Handhabung der natürlichen Ressourcen (erneuerbaren und nicht erneuerbaren) in unserem Territorium (Artikel 4, Gesetz 21 von 1991).
Die Verfassung Kolumbiens bestimmt in Artikel 1: „Kolumbien ist ein sozialer Rechtsstaat…“. Artikel 2 bestimmt, dass es zu den essentiellen Aufgaben des Staates gehört, die Verwirklichung der in der Verfassung zugesprochenen Prinzipien, Rechte und Pflichten zu garantieren. Artikel 6 legt klar fest, dass die Behörden für die Durchsetzung der Verfassung verantwortlich sind. Dies gilt damit ebenso für die „bereits existierenden“ Gesetze sowie die öffentlichen Dienstleister, auch durch Unterlassungen und Überschreitungen der Ausübung ihrer Funktionen. Fortfolgend bestätigt Artikel 7, dass der Staat die ethnische und kulturelle Diversität der kolumbianischen Nation anerkennt und schützt. Dieser erste Block von Rechten und Pflichten endet mit Artikel 8, welcher festlegt, dass es Pflicht des Staates und der Personen ist, die kulturellen und natürlichen Reichtümer der Nation zu schützen.
Artikel 65 der Verfassung bestimmt: Die Güter des öffentlichen Gebrauchs, die Nationalparks, das kommunale Land ethnischer Gruppen, das Land der Resguardos, das archäologische Erbe der Nation, sowie weitere Güter welche das Gesetz bestimmt, sind unveräusserlich, unverjährbar und unpfändbar.
In Artikel 70 wird festgelegt, dass die Kultur und ihre diversen Manifestationen die Grundlage der Nationalität sind. In Artikel 72, dass das kulturelle Erbe der Nation unter dem Schutz des Staates steht. Das archäologische Erbe sowie andere kulturelle Güter, welche die nationale Identität bilden, gehören der Nation und sind unveräusserlich, unpfändbar und unverjährbar.
Artikel 286 der Verfassung bestimmt, dass die indigenen Territorien „Territoriale Entitäten“ sind. Diese institutionelle Anerkennung bedeutet, dass wir über Jurisdiktion und Kompetenz verfügen, um in der Administration und Kontrolle der natürlichen Ressourcen, die sich in unserem Territorium befinden, autonom entscheiden zu können.
Im Gesetz 21 von 1991 wird das ILO-Übereinkommen 169 ratifiziert. Das internationale Abkommen „anerkennt die Bestrebungen der indigenen Völker, die Kontrolle über ihre eigenen Institutionen und Lebensformen und ihre ökonomische Entwicklung zu übernehmen, sowie ihre Identitäten zu bewahren und zu stärken…“3, und „verweist auf den besonderen Beitrag der eingeborenen und in Stämmen lebenden Völker zur kulturellen Vielfalt und sozialen und ökologischen Harmonie der Menschheit sowie zur internationalen Zusammenarbeit und zum internationalen Verständnis“. Deshalb heisst es in Artikel 2, Absatz 1 des ILO-Übereinkommens 169: „Es ist Aufgabe der Regierungen, mit Beteiligung der betreffenden Völker koordinierte und planvolle Maßnahmen auszuarbeiten, um die Rechte dieser Völker zu schützen und die Achtung ihrer Unversehrtheit zu gewährleisten“. Gemäss Absatz 2b soll diese Handlungsweise das Ziel haben, „die volle Verwirklichung der sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Rechte dieser Völker unter Achtung ihrer sozialen und kulturellen Identität, ihrer Bräuche und Überlieferungen und ihrer Einrichtungen zu fördern“. Und nach Artikel 5, Punkt a), „sind die sozialen, kulturellen, religiösen und geistigen Werte und Gepflogenheiten dieser Völker anzuerkennen und zu schützen und ist der Natur der Probleme, denen sie sich als Gruppen und als Einzelpersonen gegenübergestellt sehen, gebührend Rechnung zu tragen“
Artikel 2, Dekret 2164 von 1995: Das indigene Cabildo ist eine traditionelle Autorität, und gemäss der geltenden Rechtsprechung ist es „eine spezielle öffentliche Entität, mit einer traditionellen soziopolitischen Organisation, deren Angehörige auch Mitglieder einer indigenen Gemeinschaft sind, von dieser gewählt und anerkannt sind. Dessen Funktion ist die juristische Repräsentation der Gemeinschaft, die Ausübung der örtlichen Autorität und die Realisierung der Aktivitäten, die ihm von den Gesetzen, den Bräuchen und Gewohnheiten und dem internen Reglement jeder Gemeinschaft zugeschrieben werden.“4
Gemäss dem GESETZ DER HERKUNFT, das seit unseren Vorfahren gilt, sind die drei Welten in die Verteidigung und den Schutz des Territoriums mit einbezogen: E͂ca, die Welt oben, Aite Kiwe, die Welt hier, und Kiwe Dj’y, die Welt unten. Dies geschieht durch Fi’zenxii, „Erfrischung, damit sich das Herz nicht aufheizt“; und Uu açhxakamen, „Zahlung anbieten“; um in Wetwet, „Gleichgewicht und Harmonie mit dem Territorium“ zu sein; um so unsere Geschichte zu erkennen, die im Territorium und im Denken geschrieben steht.
Deshalb, um mit Ksxa’w im Frieden zu sein, beschützender Geist und Besitzer aller materiellen und spirituellen Entitäten, und der in allen Beziehungen des Austauschs mit der Mutter Natur vermittelt. Die fünfzehn (15) Cabildos von Páez und die Asociación de Cabildos Indígenas Nasa Çxãçxha.
BESCHLIESSEN
ERSTER ARTIKEL: Wir verlangen von der Regierung die Einhaltung der internationalen und verfassungsmässigen Abkommen über die grundlegenden speziellen Rechte der indigenen Völker, speziell in Bezug auf die Pläne zur Ordnung des Territoriums und der Natur. Denn diese sollten dazu dienen, das dynamische und harmonische Gleichgewicht im Territorium zu bewahren und seine Weisheit für die kommenden Generationen zu erhalten.
ZWEITER ARTIKEL: Keine Art von Institution oder Organisation oder Person darf im Einflussgebiet der Asociación de Cabildos Indígenas Nasa Çxãçxha etwas voranbringen, untersuchen oder arbeiten, ohne vorhergehendes Wissen und die Zustimmung der indigenen Autoritäten in jedem einzelnen Resguardo. Denn die indigenen Cabildos sind die höchste Autorität, welche die Gemeinschaften repräsentieren.
ABSATZ 1: Wenn beabsichtigt ist, solche Aktivitäten, Arbeiten, Pläne, Programme oder Projekte in unseren Territorien zu realisieren, sie uns direkt oder indirekt betreffen, dann müssen diese mit den verschiedenen Stufen der Autorität und Organisation konsultiert werden, damit diese Vorschläge gemäss der kulturellen Eigenheiten und der eigenen kulturellen Dynamiken formuliert werden können, und es müssen die konkreten Gewinne bezeichnet werden, die sich aus ihrer Durchführung ergeben.
DRITTER ARTIKEL: Wir bekräftigen und ratifizieren im Sinne des Gesetzes, dass die Nasa ein indigenes Volk sind, mit historischen und tausendjährigen Niederlassungen. Wir sind kulturelles Erbe der kolumbianischen Nation, weil die Wurzeln unserer Vorfahren und die Rechte an unserem Besitz dies bestätigen. All diese Charakteristiken statten uns mit der Legitimität aus, die volle indigene Autorität in der Administration des heiligen Territoriums auszuüben, welches nicht verhandelbar ist, unpfändbar, unveräusserlich und unverjährbar. Zum Schluss, werden alle unsere Individuellen und kollektiven Rechte durch die Verfassung geschützt, sowie durch das nationale und internationale Recht: Verfassung von Kolumbien; Gesetz 21 von 1991 (ILO-Konvention 169, Gesetz 89 von 1890).
Diese Resolution gilt ab heute, zwanzigster (20.) Oktober 2006.
BEKANNTMACHEN UND EINHALTEN
gegeben in Páez, am zwanzigsten (20.) Oktober 2006
Asociación de Cabildos Indígenas Nasa Çxãçxha

1 Das Cabildo ist das gewählte Gremium einer indigenen Gemeinschaft, und verkörpert die traditionelle Autorität in ihrem Territorium.
2 Ein Resguardo ist ein kollektiver Landtitel einer indigenen Gemeinschaft.
3 „anerkennt die Bestrebungen dieser Völker, im Rahmen der Staaten, in denen sie leben, Kontrolle über ihre Einrichtungen, ihre Lebensweise und ihre wirtschaftliche Entwicklung auszuüben und ihre Identität, Sprache und Religion zu bewahren und zu entwickeln;“. Präambel ILO-169, http://www.ilo.org/wcmsp5/groups/public/—ed_norm/—normes/documents/publication/wcms_100900.pdf . Die folgenden Zitierungen von ILO-169 entsprechen dem Wortlaut der deutschen Version des Gesetzestextes.
4 Übersetzung des spanischen Wortlaut des Gesetzestextes, http://www.presidencia.gov.co/prensa_new/decretoslinea/1995/diciembre/07/dec2164071995.pdf .

http://tierradentro.co/Defensa-territorial-de-los-Pueblos

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