Geschichte der Gemeinschaft der Nasa aus der Perspektive ihres Widerstands

Fotografie Miguel Boller

Fotografie Miguel Boller

Dies ist ein Beitrag von Sxuyu’ Huber Castro, als Antwort auf einige Fragen der Herausgeber*Innen. Sxuyu’ ist Mitglied der Beratungsgruppe des CIIIT und arbeitet zur Zeit für die Autonome Indigene Interkulturelle Universität (UAIIN) in Popayán. Zuletzt hat er sich als Autor an der Realisierung des Buches „Nasa fxi’zenxite’, isawejxasa’ na’tha’w atxaha’ – Matemáticas en el mundo nasa“ über die Mathematik in der Kultur der Nasa beteiligt, herausgegeben durch das CIIIT, Editorial El Fuego Azul, Bogotá D.C., 2012. Zuvor hat er einen Radio-Sprachkurs für die Sprache Nasa Yuwe ausgearbeitet, und war bei der Erstellung der Schriftkonvention für diese Sprache beteiligt. Bereits jetzt hat er beim Entstehungsprozess unseres Buchprojekts maßgeblich mitgewirkt. Er ist Mitglied der indigenen Gemeinschaft von Vitoncó, Tierradentro.

 Geschichte der Gemeinschaft der Nasa aus der Perspektive ihres Widerstands.
Um bei den entferntesten Zeiten anzufangen, kommt die Organisation vom Kazikat her. Dieses regierte in Begleitung der kiwethe’, welche das Personal aus drei sozialen Gruppen auswählten. Eine erste soziale Gruppe war für den Anbau oder die Produktion von Lebensmitteln zuständig, eine zweite soziale Gruppe war dafür zuständig, ihr Territorium zu beschützen, und eine letzte kleine Gruppe koordinierte punktuelle Aktivitäten, wie die Zeremonien für die Sonne, für die Samen, und für die Feinde nach jeder territorialen Auseinandersetzung.
Hier wollen wir jene Gruppe von Militanten herausstellen, der kiwenwe’nas , welche sich dem Schutz des Terriroriums widmeten. Sie standen unter dem Kommando des Kazikats und seiner Schutzgeister; ihre Arbeit wurde bis zum Beginn der Kolonisierung aufrechterhalten. Auf der anderen Seite ist sich das Volk bewusst, dass sie mehr als 100 Jahre verspätet vom Eindringen der Teufel erfahren haben, das heisst, erst von den 15-Hundertern an, doch war es das erste Volk, welches während der Zeit des Bipartidismus die Liberalen mehr unterstützt hat als die Konservativen.
Die Erinnerung berichtet uns, dass die Nasa durch eine Vielzahl von Strategien überleben konnten, und eine dieser Strategien bestand darin, für jede Schlacht zwei Familien zurückzulassen, von den Tälern des Magdalena an, bis zum Eingang nach Tierradentro, welches heute als die Wiege der Nasa bekannt ist; um auf diese Weise über alle Fälle informiert zu sein, die sich ereigneten. Ohne dabei stehenzubleiben, bauten sie weiterhin das Gewebe des Widerstands auf, das Bergmoor von Moras überquerend, herunter nach Silvia, und bis nach Paniquita, um ihr Territorium in Form eines Us oder eines Hufeisens aufgebaut zu haben.
Diese Arbeit hatte den Nutzen, das Territorium zu erweitern, und das vollständige Wissen über das Territorium zu erlangen. Unsere Leute waren dadurch vollkommen informiert, und die kulturellen Elemente wurden am Leben erhalten, speziell das Denken durch die eigene Sprache, den Geist, und das Territorium, welches uns darin belehrt…
 Was ist die Idee des Widerstands für die Gemeinschaft der Nasa? Was wird unter Widerstand verstanden? Was ist Widerstand? Wie wird widerstanden? Wie wird sich organisiert?
Vielleicht ist es nicht die Idee, eher ist es die Energie, die vom Hunger kommt, von der Unterdrückung und dem Druck der Invasoren, die täglich in den Territorien der eingeborenen Völker nach Ressourcen jagen.
Was ist Widerstand? Widerstand ist, sich den Anweisungen, die gegen die Natur gerichtet sind, organisiert zu verweigern. Es ist die Klarheit, dass kommunitäres Leben bedeutet, mit Kraft zu schreien, wenn jemand das fröhliche Leben oder das gute Leben der Gemeinschaft oder des Volkes verletzt; es ist auch der Traum, wie beflügelt zu gehen. Widerstand bedeutet, dass man am Nachdenken ist und Möglichkeiten sucht, wie man in der Zeit und im Raum fortbestehen kann, hier und jetzt, und die gemeinsame Aktion alles Genannten ist das Re-Existieren des Volkes.
Innerhalb der Gemeinschaft der Nasa gibt es aufgrund des Raumes und der Diversität Akteure, die widerstehen, weil sich sich weigern zu Verschwinden, während gleichzeitig andere kämpfen. Einige finden sich zusammen, um Angelegenheiten und Haltungen des Widerstands zu analysieren, dieses wird diskutiert und es wird gesagt, dass die Aktion des Widerstands die Gegner mehr zu nähren scheint, und sie schlagen stattdessen vor, zu Re-Existieren. Doch was ist dies? Wie sxuyu’ sagt, wäre es gut zu Re-Existieren, denn es erlaubt, die trennende Linie zwischen den beiden Gegnern zu sein, und darin wird automatisch sich das Leben entwickeln oder wachsen, und wer Re-Existiert, ist das Volk und seine Gemeinschaft. Dieser Teil mag schwer zu verstehen sein, doch an sich sucht das Volk Tausend Möglichkeiten zu überleben.
 Was ist die Rolle der Kultur? Genauer: was ist die Rolle der Sprache?
Die Rolle der Sprache war bisher, ist heute und wird auch in Zukunft die Struktur der kulturellen Elemente sein, welche im Volk der Nasa praktiziert werden. Denn sie ist eine Entität mit der Fähigkeit, zu konstruieren, zu schreiben und zu symbolisieren in: der Oberfläche, dem Raum, dem Geist, der Seele und dem Herz. Soweit, dass wenn die Sprache aufhört zu existieren, dann bleiben wir in der Mutter Erde, in der Natur und im Menschen alle leer; denn es gibt keine Möglichkeit dieses Sein zu erklären, das ich befühle, höre, rieche, sehe oder träume.
Von dieser Logik her geht die Sprache der Existenz der Völker zuvor, denn sie kommt als die Struktur der kulturellen Elemente, die alle von uns begannen und noch annehmen werden, die unterschiedlichen Völker auf dem Planeten Erde. So konzeptualisiert, gibt es keine Sprache, die kein Territorium hat, doch es kann Territorien ohne ihre Sprache geben. Ist dies so, dann ist es haltbar zu sagen: wo es Territorium gibt, gibt es Identität, wo es Identität gibt, gibt des Kultur, wo es Kultur gibt, gibt es Geschichte, wo es Geschichte gibt, gibt es Erinnerung, wo es Erinnerung gibt, gibt es eine Sprache, und wo es diese Sprache nicht gibt, ist es braves, langweiliges Volk, Volk ohne Eleganz des Lebens oder ohne Geist.
Zwischen der Mutter Erde, dem Menschen und der Natur prägen wir uns durch unsere Charaktere, doch wer dies erklärt, ist die Sprache.

Spanische Version

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