Über das buch

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Das Buch trägt Aspekte der verschiedenen Erfahrungen der indigenen Autorität in den Bereichen Bildung und Forschung zusammen, die von den Nasa-Gemeinschaften von Tierradentro jeweils definiert und entwickelt wurden. Diese gemeinschaftlichen Prozesse entfalteten sich durch die Unterstützung des Indigenen Zentrums für Interkulturelle Forschung von Tierradentro– CIIIT 1.

Bis vor sehr kurzer Zeit wurde Tierradentro vom Staat Kolumbien noch als „Missionsgebiet“ angesehen. Die apostolische Präfektur war beauftragt, in den Resguardos2 die Bildung zu administrieren, und griff nicht nur in die Schule ein, sondern in alle Bereiche des täglichen Lebens der Gemeinschaften. Das Genannte hat Konsequenzen hinterlassen, die in der Schwächung der kulturellen Identität sichtbar werden. Dies übersetzt sich wiederum im Bruch von Prozessen der Weitergabe von Werten und Wissen, die sehr eng mit der Spiritualität, der Sprache, dem Aufbau harmonischer Beziehungen mit dem Territorium, der Kollektivität und mit verschiedenen Formen kommunitärer Organisierung verbunden sind.

Vor diese Problematik gestellt, versammelten sich die traditionellen Autoritäten von Tierradentro an der Lagune des Mondes, um das CIIIT zu gründen. Das CIIIT ist eine Alternative, um aufzuwachen und die Gemeinschaften von Neuem mit dem Territorium ins Gespräch treten zu lassen, genauso wie mit anderen indigenen Völkern und anderen sozialen Gruppen.

Im Buch wird sich zuerst eine Annäherung an den territorialen und organisativen Kontext von Tierradentro finden. Darin werden Problematiken benannt, welche die Beziehung zum Territorium entharmonisieren, und die sich in die Arbeitsgebiete der verschiedenen Arbeitsgruppen des CIIIT verwandeln. Daran schließen sich die Erinnerung an die Gründung des CIIIT an, die orientierenden Prinzipien, Arbeitsformen und die Anbindung an die Autonome Indigene Interkulturelle Universität – UAIIN3. Diese letzte Instanz nährt den Regionalen Indigenen Rat des Cauca – CRIC4, vom dem die Cabildos5 der Region Tierradentro ein Teil sind.

In diesem Raum des CIIIT bewegen wir uns. Wir stellen verschiedene Arbeitserfahrungen in Forschung und kommunitärer Bildung vor, denen gemeinsam ist, dass sie sich als Strategien des Widerstands für die Autonomie, die Fürsorge, den Schutz und die integrale Verteidigung des Territoriums konstituieren.

Jede der thematisch spezifischen Erfahrungen wird je in einem Kapitel entwickelt. Obwohl sie gemeinsame Aspekte aufweisen, präsentieren wir sie getrennt. Damit wollen wir die Gelegenheit schaffen, jeweils Beschreibungen ihrer Arbeit, Leistungen, Schwierigkeiten und Träume mit einzuschließen.

Die spezifischen Erfahrungen beziehen sich auf Themen wie:

Der Prozess der Revitalisierung von Sprache, Kultur und Territorium der Nasa:In diesem Kapitel wird die Situation des Gebrauchs der Sprache Nasayuwe vermittelt, und die Maßnahmen, die zu ihrer Revitalisierung ergriffen wurden. Der Text stützt sich auf die Aussagen von Sprecher*Innen des Nasayuwe und auf die Gruppe des Lizenziates in indigenen Sprachen der UAIIN, deren Mitglieder in Tierradentro studieren..

Das kommunitäre Bildungsprojekt als Strategie für territoriale Autonomie: Erzählt die Erfahrungen der Gemeinschaft des Resguardo von San Andrés de Pisimbalá bei der Schaffung eines Konzeptes für die Bildung: Ziele, erreichte Leistungen, Konflikte und Arbeitsperspektiven.

Programm für kommunitäre Entwicklung: Vom Resultat der Analyse der territorialen Problematiken ausgehend, entstand der Entschluss der zwei Vereinigungen der Cabildos in Tierradentro, ein Bildungsprogramm zu gestalten, welches es erlaubt, die verschiedenen internen organisativen Stukturen der Gemeinschaften im zonalen und regionalen Kontext zu stärken.
Dieses Programm wurde kollektiv in den Gemeinschaften konzipiert, und ist das Ergebnis der Systematisierung des Fühlens der Gemeinschaften. Das Programm kann heute auf eine Gruppe von Studierenden zurückgreifen, welche analysieren und Alternativen für die Interpretation und Lösung lokaler Probleme vorschlagen, indem sie die Erfahrungen ihrer Gemeinschaften, aber auch anderer indigener Völker und sozialer Gruppen mit einbeziehen.

Strategie für territoriale Prävention: Diese Erfahrung entsteht durch die Aktivierung des Vulkans Nevado del Huila. Das Erwachen dieses Älteren, der von der kulturellen Wahrnehmung der Nasa her gesehen einer der Beschützer des Territoriums ist, erlaubte es, die verschiedenen Sprachen schätzen zu lernen, die eine Interpretation dessen zulassen, was die Natur ausdrückt und lehrt. Auf diese Weise wurden Strategien geschaffen, bei denen eigenes Wissen und Wissen anderer Kulturen in einen Dialog treten, um Wege zu identifizieren, die das Verbleiben und Fortleben der Gemeinschaften auf ihrem Territorium garantieren. Diese Erfahrung erfuhr nationale und internationale Anerkennungen.

Mathematisches Denken der Nasa: Ist das Thema der Mathematik-Gruppe des CIIIT. Ihr Ansatz sucht die Arbeit der Älteren und traditionellen Ärzt*Innen über den Weg des Mondes und der Sonne (Kalender der Nasa) zu unterstützen. In der ersten Phase der Arbeit untersuchen wir universelle Aktivitäten, die mit dem mathematischen Denken und Tun in Verbindung stehen. Zurzeit vertieft die Gruppe ihre Arbeit anhand der Behausungen der Nasa. Dabei identifizieren sie die Weitergabe und Produktion mathematischen Wissens bei der Planung, dem Bau und dem Gebrauch der Behausungen der Nasa.

Territoriale Harmonisierung um das Gespräch mit dem Territorium aufrecht zu erhalten: Mit der Unterstützung der Älteren und der traditionellen Ärtzt*Innen werden Rituale zurückgewonnen, die schon aufgehört haben, praktiziert zu werden. Sie erzählen uns durch ihre Bezeugungen, welche diese Rituale sind, und was für Lernformen durch diese Arten der Kommunikation mit der Mutter Natur potenziert werden sollen.

In jedem Kapitel finden sich Zitate aus Interviews, Konversationen und der Arbeit selbst. Sie erlauben es, die Wahrnehmungen der verschiedenen Teilnehmer*Innen auf das jeweilige Thema und ihre Arbeit herauszustellen. Es werden auch Fotos, Zeichnungen und Texte auf Nasayuwe beigefügt, die es den Leser*Innen ermöglichen, sich den Realitäten besser anzunähern, die in jedem der Texte geteilt werden.

„Der Widerstand macht verständlich, wie die Welt von den Territorien der Nasa aus gesehen und verstanden wird. Er setzt einen Willen voraus, als determinierend angesehene Elemente zu erhalten, und im Fall der Nasa ist dieses Element die Territorialität und alle Lebensbegriffe, die von ihr abgeleitet werden. Die Angriffe auf das Territorium während der Jahrhunderte haben es immer kleiner werden lassen, und trotzdem bewahrt es noch seinen kulturellen und politischen Reichtum und seinen erweiterten Begriff von Territorialität: in den vielen Räumen alltäglichen Lebens, in den Formen von Arbeit und Produktion, in der Aneignung und symbolischen Sinngebung der verfügbaren Ressourcen, all das verbunden durch das, was wir die mythische oder symbolische Dimension nennen.“

  1. Centro Indígena de Investigaciónes Interculturales de Tierradentro
  2. Ein Resguardo ist ein kollektiver Landtitel indigener Gemeinschaften.
  3. Universidad Autónoma Inígena Intercultural
  4. Consejo Regional Indígena del Cauca.
  5. Das Cabildo ist das gewählte Gremium einer Gemeinschaft, und repräsentiert die traditionelle Autorität in ihrem Territorium.

Über die Herausgeber*innen:

  • Carolina Tamayo Rojas: Ist Anthropologin und Politologin, MA. Gender und Diversity Kompetenz. Sie hat in den Regionen Cauca und Chocó in Territorien von Gemeinschaften der Yanacona und Emberá Chamí, sowie in afrokolumbianischen Gemeinschaften für die Dokumentation von Menschrechtsverletzungen gearbeitet.
  • Miguel Boller Erazo: Studiert Philosophie, begleitet seit mehreren Jahren die indigenen Gemeinschaften von Tierradentro als politischer Aktivist und hat insgesamt ein Jahr in den Territorien der Nasa gelebt.
  • Natalia Caicedo Vásquez: Ist graduiert in literarischen Studien. Sie unterstützte in Leticia (Amazonas) und Puerto Asís (Putumayo) Prozesse der Dozent*innen-Bildung. In der Gegenwart begleitet sie Prozesse in Forschung und kommunitärer Bildung in den indigenen Nasa-Reservaten in Tierradentro.

Verwirklichung des Buches in Kooperation mit:

  • Indigenes Zentrum für Interkulturelle Forschung von Tierradentro, Centro Indígena de Investigaciones Interculturales de Tierradentro, CIIIT
  • Vereinigung der indigenen Gemeinschaftsräte von Páez Nasa Çxhãçxha, Asociación de Cabildos Indígenas de Páez Nasa Çxhãçxha
  • Gruppe Territorium und Natur der Nasa Çxhãçxha

Verlag
Edition Assemblage
Nieberdingstraße 8D - 48155  Münster
Telefon: (0251) 14 104 208 | Mobil: (0176) 553 400 80
info@edition-assemblage.de
www.edition-assemblage.de

Gestalterische Betreuung
Piisani Estudio de Diseño, Bogotá,
www.piisani.com

Umschlaggestaltung & Webauftritt: Yuluts Yonda, Silvino Gonzáles Morales
www.piisani.com

Carolina Tamayo, Miguel Boller, Natalia Caicedo (Hg.)
Territorium. Widerstand. Autonomie: Der Aufstand der Nasa in Tierradentro-Kolumbien
Eine Einführung in die Idee des indigenen Widerstands
farbig, TB, 110×180 mm ca. 112 Seiten, ca. 9,80 Euro,
ISBN 978-3-942885-35-5
http://www.edition-assemblage.de/territorium-widerstand-autonomie/
Erscheint ca. November 2013 in der edition assemlage.

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